parapolar
Lernen · 6 Min. Lesezeit

MacCready für Gleitschirmflieger

Die Sollfahrt beantwortet die Frage: »Was verlangt die Luft, in der ich gerade fliege?« Die MacCready-Theorie fügt eine zweite, vorausschauende Frage hinzu: »Wie stark wird mein nächstes Steigen?« Zusammen sagen sie dir, wie schnell du auf Strecke zwischen den Bärten gleiten solltest.

Paul MacCreadys Idee, aus dem Segelflug-Wettbewerb entliehen: Höhe hat einen Preis, und den setzt dein nächster Bart fest. Sind die Bärte stark, ist Höhe billig zu ersetzen — du kannst sie also für Geschwindigkeit verheizen. Sind sie schwach, ist Höhe kostbar — gleite sparsam.

Probiere es selbst — dieses Szenario ist live:Dieses Szenario in der App öffnen →

Was der MacCready-Wert wirklich bedeutet

Der MacCready-Wert — »MC-Wert« oder Ringeinstellung — ist eine einzige Zahl: das mittlere Steigen in m/s, das du im nächsten Bart erwartest, für den du anhalten wirst. Stellst du MC 2 ein, behauptest du: Mein nächstes Steigen bringt im Schnitt 2 m/s, vom Einflug bis zum Verlassen — das mühsame Zentrieren unten eingerechnet.

Mathematisch entsteht die optimale Gleitgeschwindigkeit aus derselben Tangentenkonstruktion wie die Sollfahrt: Verschiebe den Ursprung um den MC-Wert nach oben — als würdest du durch Luft gleiten, die mit dieser Rate steigt und in der du dich weigerst einzudrehen. Ein höherer MC-Wert schiebt den Berührpunkt nach rechts: schneller gleiten.

Stellst du MC auf null, liefert die Theorie schlicht das beste Gleiten zurück: Strecke maximieren, Zeit ignorieren. Das ist deine Einstellung, wenn das Ankommen selbst auf der Kippe steht — beim Kratzen Richtung Landewiese oder auf Endanflug über landbarem Niemandsland.

Warum erwartetes Steigen schneller macht

Denk in Zeit-Buchhaltung. Schneller gleiten heißt tiefer am nächsten Bart ankommen — du hast auf der Gleitstrecke Höhe gegen Zeit getauscht. Die geopferte Höhe musst du zurückkurbeln, und was das kostet, hängt allein davon ab, wie stark der Bart ist.

Steigt der nächste Bart im Schnitt mit 3 m/s, kosten 100 Meter Höhe 33 Sekunden — billig, also renn. Steigt er mit 0,5 m/s, kosten dieselben 100 Meter über drei Minuten — teuer, also gleite nahe am besten Gleiten und horte deine Höhe. Wer MC richtig fliegt, minimiert die Gesamtzeit: Gleiten plus Kurbeln.

Deshalb fliegt man dieselbe Talquerung um 14 Uhr unter einem knallenden Himmel anders als um 18 Uhr in sterbender Thermik. An der Luft zwischen den Bärten hat sich nichts geändert — nur am Preis der Höhe, die du am anderen Ende zurückkaufen musst.

Ehrliche Einschränkungen fürs Gleitschirmfliegen

Die MacCready-Theorie wurde für Segelflugzeuge mit Gleitzahl 40 und mehr und für starkes, verlässliches Steigen entwickelt. Gleitschirme steigen an guten Tagen mit 1–2 m/s, und unser Gleiten leidet spürbar am Beschleuniger — die Polare wird steil, wo die eines Segelflugzeugs flach bleibt. Die optimalen MC-Geschwindigkeiten liegen darum näher an Trimm, als die Segelflug-Herkunft der Theorie vermuten lässt.

Die Theorie unterstellt außerdem, dass du den nächsten Bart auch findest. Mit dem Gleitschirm kann 200 Meter tiefer ankommen heißen: unter dem Arbeitsband ankommen und absaufen — ein asymmetrisches Risiko, das keine Tangente abbildet. Viele erfahrene Piloten fliegen bewusst einen »entschärften« MacCready: Stell etwa die Hälfte des Steigens ein, das du ehrlich erwartest.

In der Praxis: Flieg näher an MC an starken Tagen mit hoher Basis, auf Endanflug und im Lee eines verlässlichen Hausbarts. Flieg konservativ — MC nahe null — wenn du tief bist, die Bedingungen schwach sind oder das Gelände unfreundlich ist. MacCready ist eine Obergrenze für Aggressivität, keine Untergrenze.

Merksatz
MacCready bepreist deine Höhe mit deinem nächsten Steigen: Starke erwartete Bärte rechtfertigen schnelles Gleiten, schwache nicht — und ehrlich heißt beim Gleitschirm konservativ.
Weiterlernen
Die Polare lesen →Die Polare deines Gleitschirms verstehen: Achsen, geringstes Sinken, bestes Gleiten und Trimmspeed — und wie die Flächenbelastung die Kurve verschiebt. Sollfahrt: Wind und Sinken ändern alles →Warum sich die beste Gleitgeschwindigkeit mit Gegenwind, Rückenwind und Sinken verschiebt: die Tangente mit verschobenem Ursprung und einfache Sollfahrt-Regeln.